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3.6.11

MAX DAUTHENDEY: NIE WAR DIE EINE LIEBESNACHT...


MAX DAUTHENDEY (1867-1918)


NIE WAR DIE EINE LIEBESNACHT...


Nie war die eine Liebesnacht
In deinem Schoß der andern gleich,
Dein Leib ist ein Septembermond
An immer neuen Früchten reich.

Die Brüste sind ein Traubenpaar,
Und drinnen pocht der junge Wein,
Die Augen sind ein Himmelstor
Und lassen meine Wünsche ein.

20.4.10

MAX DAUTHENDEY: DIE LUFT IST VOLL KOMMEN UND GEHEN


MAX DAUTHENDEY (1867-1918)


DIE LUFT IST VOLL KOMMEN UND GEHEN


Die blühenden blauen Kornraden,
Sie fielen mit den Ähren;
Das Korn liegt still in Schwaden
Im Sonnenschein, im schweren.

Kaum ein paar kurze Wochen
Sind die Felder glühend zu sehen;
Gleich muß die Sense dann pochen,
Und Stoppeln bleiben kalt stehen.

Wenn Augenblicke erwarmen,
Fühlt ihren Atem kaum wehen,
Da entsinken sie schon unsern Armen –
Die Luft ist voll Kommen und Gehen.

31.5.09

MAX DAUTHENDEY: AN DEINEN LIPPEN


MAX DAUTHENDEY


AN DEINEN LIPPEN


Deine Küsse halten mich glühend wach,
Sie gehen wie feurige Sterne ums Dach.

An deinen Lippen wird's Blut mir rot,
Mein Herz springt ins Feuer, mein Auge loht.

Deine Augen wie kleine Monde beim Küssen
Im letzten Himmel verschwinden müssen.

7.9.08

MAX DAUTHENDEY: DU UND ICH


MAX DAUTHENDEY (1867-1918)


DU UND ICH


Du und ich!
Wunschlose Seligkeit
Strömt deine Nähe über mich.
Der Alltag wird zur Sonntagszeit,
Unsterblich schlingt das Leben sich
Um uns. Und Menschengöttlichkeit
Fühl' ich bei dir durch dich.

Was einst gewesen, weiß ich kaum.
Die enge Welt wird weiter Raum.
Und Holz wird Eisen, Eisen Holz
Und Stolz wird Demut, Demut Stolz.
Gar wunderbare Weisen
Singt dann bei seinen Kreisen
Mein Blut im Paradies für mich.
Es haben alle Wünsche Ruh', -
Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du.
Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.

2.5.08

MAX DAUTHENDEY: DIE LIEBE


MAX DAUTHENDEY (1867-1918)


DIE LIEBE


Ach, gibt es ein göttlicher Weh als die Liebe,
Gibt es ein köstlicher Glück als ihr Leid,
Streift sie auch nur mit dem Finger dein Kleid
Mitten im sinnlosen Straßengetriebe!

Liebe fühlt fein, wie ein Nackter im Grase,
Liebe im Aug' sieht den Winter noch grün,
Macht auch den Waffenlosen todkühn
Und trutzig dein Herz zum Prellstein der Straße.

Mehr als die Weisen kann Liebe begreifen,
Liebe gibt tausend Glühlampen dem Geist,
Liebe hat alle Sternbahnen bereist,
Liebe ist rund um das Weltall ein Reifen.

Mit dem Liebe gerungen, der nur ist Ringer,
Wer um Liebe gelitten, der nur hat Ruhm;
Wer die Liebe verschwiegen, der nur war stumm;
Wer aus Liebe gesungen, der nur war Singer.