16.4.14

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE: SEHNSUCHT




JOHANN WOLFGANG VON GOETHE


SEHNSUCHT

Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
Nach jener Seite.

Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!

25.3.14

RAINER MARIA RILKE: VOR DEM SOMMERRREGEN




RAINER MARIA RILKE


VOR DEM SOMMERRREGEN

Auf einmal ist aus allem Grün im Park
man weiß nicht was, ein Etwas, fortgenommen;
man fühlt ihn näher an die Fenster kommen
und schweigsam sein. Inständig nur und stark

ertönt aus dem Gehölz der Regenpfeifer,
man denkt an einen Hieronymus:
so sehr steigt irgend Einsamkeit und Eifer
aus dieser einen Stimme, die der Guß

erhören wird. Des Saales Wände sind
mit ihren Bildern von uns fortgetreten, a
ls dürften sie nicht hören was wir sagen.

Es spiegeln die verblichenen Tapeten
das ungewisse Licht von Nachmittagen,
in denen man sich fürchtete als Kind.

24.3.14

GÜNTHER WEISENBORN: AHNUNG




GÜNTHER WEISENBORN (1902-1969)


AHNUNG

Wer am Tisch sitzt und ißt,
hört schon vor der Tür
die Schritte derer,
die ihn hinaustragen werden.

Der die Lampe andreht, weiß,
seine Hand wird kalt
wie die Klinke sein,
eh der Nächste die Lampe ausdreht

Wer sich früh anzieht,
ahnt, daß er Ostern
mit diesem Anzug
unter der Wiese liegt.

Wer den Wein trinkt, weiß,
dieser Rausch wird
sein Hirn nicht mehr erreichen,
sondern auslaufen wie ein Ei.

Leicht ist der Schrei
der eiligen Schwalben.
Sie sind rasch , aber rascher
als sie ist das Ende.

10.3.14

WOLF BIERMANN: WOLKENBILDER ÜBER HAMBURG




WOLF BIERMANN


WOLKENBILDER ÜBER HAMBURG

1.
Die Wolken wildern weiß im Blau
Der Wind schiebt Bilder durch die Himmel
Der Wind malt mir 'ne Monsterschau
ein n a z igrüner Kohlenklau
ein Wolf im Schafgewimmel

2.
Ein Phönix federwölket zart
schon fingert Licht durch die Kulissen
groß bellt ein Gott mir Zickenbart
ein Hundekopf auf blauer Fahrt
hat mir mein Herz zerbissen

3.
Wenn bloß kein Regen runterfällt,
kein kein kernkraftwerkekranker Regen
der Tod fährt lustig um die Welt
im Wolkenschiff am Himmelszelt
und wirft in Hamburg Anker

4.
Und weißt Du was, auf einmal sah
ich oben in den Wolkenfratzen
Dein liebes Bild so schrecklich klar
Dann weinte ich, ich weiß es ja
kein Tod kann mich noch kratzen.

9.3.14

ERICH FRIED: AN DICH DENKEN




ERICH FRIED


AN DICH DENKEN

An Dich denken und unglücklich sein? Wieso?
Denken können
ist doch kein Unglück
und denken können
an Dich:
an Dich
wie Du bist
an Dich
wie Du Dich bewegst
an Deine Stimme
an Deine Augen
an Dich
wie es Dich gibt –
wo bleibt da
für wirkliches Unglück
(wie ich es kenne
und wie es mich kennt)
noch der Raum
oder die Enge?

7.2.14

WOLF BIERMANN: MELANCHOLIE






WOLF BIERMANN


MELANCHOLIE

1
weil ich kein land mehr seh in keinem land
auf all dem industriemist kräht kein hahn
die menschlein taumeln über jeden rand
zu arm, zu reich, zu klein im größenwahn
weil wünsche wuchern wie ein krebsgeschwür
bin ich ein nimmerfroher nimmersatt
weil todesangst sich spreizt als lebensgier
weil grenzenlose freiheit grenzen hat
und weil ich meinen feinden nie nichts verzieh
und weil ich selber seh und doch nichts schnalle

melancholie
melancholie im herzen
die schwarze galle

2
weil feigheit vor dem wahren freund mich lähmt
weil kühnheit vor dem falschen feind mich foppt
weil man mit tränen kein' tyrannen zähmt
und weil kein lied die amokläufer stoppt
weil ich am ruhm vorn an der rampe roch
und leckte mich so durstig an dem salz
weil zweifel mir in die gewissheit kroch
und habe schulden schuldlos auf dem hals
weil ich widerstand und ging doch in die knie
und krieg kein seelengeld mehr auf die kralle

melancholie
melancholie im herzen
die schwarze galle

3
wer hoffnung predigt, tja, der lügt. doch wer
die hoffnung tötet, ist ein schweinehund
und ich mach beides und schrei: bitte sehr
nehmt was ihr braucht - zu viel ist ungesund!
weil grundlos alles hoffen ist, genau
wie auch die liebe keine gründe braucht
und weil ich träume in die pfanne hau
weil nur von ketzerei der schornstein raucht
und weil'n ketzer brennt und leuchtet hell wie nie
und herrlich aufersteht in jedem falle

melancholie
melancholie im herzen
die schwarze galle

4
weil ich nach meinem ebenbild mein kind
nur formen kann, wie Gott: zu dumm, zu schwach
und weil's doch eigne wege findet: blind
läuft es der herde ins verderben nach
die enkel fechtens besser aus! - wer's glaubt
hat seinen seelenfrieden und 'n knall
weil friedhofsruh mir alle ruhe raubt
weil ich so hundemüde bin von all
dieser menschenheitsretterei und schlaf doch nie
weil ich 'ne dürre hab und wollte 'ne dralle

melancholie
melancholie im herzen
die schwarze galle

5
mein lieb, wenn ich mit dir bin, und es trifft
such gut, weil wir einander meinen, wenn ich
dich zottel in die himmel, wenn das gift
wegschwemmt im fluss der seeligkeit, wenn sich
in milch und honig wandeln blut und hass
wenn uns ein freund braucht, und wir können dem
ein bett beziehn und trinken auch'n glas
und macht ein friede uns den krieg bequem
dann passiert es, dass ich ihr für kurz entflieh
ja, weil ich immer wieder steh und falle

melancholie
melancholie im herzen
die schwarze galle

6.2.14

ERICH FRIED: ABLÖSUNG




ERICH FRIED


ABLÖSUNG

Der Wald kommt!
(Schenk mir ein leeres Baumbuch!)
Auf das erste Blatt schreibe ich
ein Wort nur:
GRÜN

Auf das zweite Blatt
schreibe ich:
DUNKELGRÜN
auf das dritte Blatt:
DUNKEL

Jetzt kommt die Nacht:
Auf das vierte
und fünfte
und zehnte Blatt
schreibt schon der Wald

7.1.14

RAINER MARIA RILKE: DIE GAZELLE




RAINER MARIA RILKE (1875-1926)


DIE GAZELLE
Gazella Dorcas

Verzauberte: wie kann der Einklang zweier
erwählter Worte je den Reim erreichen,
der in dir kommt und geht, wie auf ein Zeichen.
Aus deiner Stirne steigen Laub und Leier,

und alles Deine geht schon im Vergleich
durch Liebeslieder, deren Worte, weich
wie Rosenblätter, dem, der nicht mehr liest,
sich auf die Augen legen, die er schließt:

um dich zu sehen: hingetragen, als
wäre mit Sprüngen jeder Lauf geladen
und schüsse nur nicht ab, solang der Hals

das Haupt ins Horchen hält: wie wenn beim Baden
im Wald die Badende sich unterbricht:
den Waldsee im gewendeten Gesicht.

1.1.14

ROSE AUSLÄNDER: DAS SCHÖNSTE




ROSE AUSLÄNDER (1901-1988)


DAS SCHÖNSTE

Ich flüchte
in dein Zauberzelt
Liebe

Im atmenden Wald
wo Grasspitzen
sich verneigen

weil
es nichts Schöneres gibt

31.12.13

BERTOLT BRECHT: LEGENDE VOM TOTEN SOILDATEN





BERTOLT BRECHT


LEGENDE VOM TOTEN SOILDATEN

Und als der Krieg im vierten Lenz
Keinen Ausblick auf Frieden bot
Da zog der Soldat seine Konsequenz
Und starb den Heldentod.

Der Krieg war aber noch nicht gar
Drum tat es dem Kaiser leid
Daß sein Soldat gestorben war:
Es schien ihm noch vor der Zeit.

Der Sommer zog über die Gräber her
Und der Soldat schlief schon
Da kam eines Nachts eine militär-
ische ärztliche Kommission.

Es zog die ärztliche Kommission
Zum Gottesacker hinaus
Und grub mit geweihtem Spaten den
Gefallnen Soldaten aus.

Der Doktor besah den Soldaten genau
Oder was von ihm noch da war
Und der Doktor fand, der Soldat war k. v.
Und er drückte sich vor der Gefahr.

Und sie nahmen sogleich den Soldaten mit
Die Nacht war blau und schön.
Man konnte, wenn man keinen Helm aufhatte
Die Sterne der Heimat sehn.

Sie schütteten ihm einen feurigen Schnaps
In den verwesten Leib
Und hängten zwei Schwestern in seinen Arm
Und ein halb entblößtes Weib.

Und weil der Soldat nach Verwesung stinkt
Drum hinkt ein Pfaffe voran
Der über ihn ein Weihrauchfaß schwingt
Daß er nicht stinken kann.

Voran die Musik mit Tschindrara
Spielt einen flotten Marsch.
Und der Soldat, so wie er's gelernt
Schmeißt seine Beine vom Arsch.

Und brüderlich den Arm um ihn
Zwei Sanitäter gehn
Sonst flöge er noch in den Dreck ihnen hin
Und das darf nicht geschehn.

Sie malten auf sein Leichenhemd
Die Farben Schwarz-Weiß-Rot
Und trugen's vor ihm her; man sah
Vor Farben nicht mehr den Kot.

Ein Herr im Frack schritt auch voran
Mit einer gestärkten Brust
Der war sich als ein deutscher Mann
Seiner Pflicht genau bewußt.

So zogen sie mit Tschindrara
Hinab die dunkle Chaussee
Und der Soldat zog taumelnd mit
Wie im Sturm die Flocke Schnee.

Die Katzen und die Hunde schrein
Die Ratzen im Feld pfeifen wüst:
Sie wollen nicht französich sein
Weil das eine Schande ist.

Und wenn sie durch die Dörfer ziehn
Waren alle Weiber da
Die Bäume verneigten sich, Vollmond schien
Und alles schrie hurra.

Mit Tschindrara und Wiedersehn!
Und Weib und Hund und Pfaff!
Und mitten drin der tote Soldat
Wie ein besoffner Aff.

Und wenn sie durch die Dörfer ziehn
Kommt's, daß ihn keiner sah
So viele waren herum um ihn
Mit Tschindra und Hurra.

So viele tanzten und johlten um ihn
Daß ihn keiner sah.
Man konnte ihn einzig von oben noch sehn
Und da sind nur Sterne da.

Die Sterne sind nicht immer da
Es kommt ein Morgenrot.
Doch der Soldat, so wie er's gelernt
Zieht in den Heldentod.

6.11.13

BERTOLT BRECHT: ÜBER KANTS DEFINITION DER EHE IN DER “METAPHYSIK DER SITTEN”




BERTOLT BRECHT


ÜBER KANTS DEFINITION DER EHE IN DER “METAPHYSIK DER SITTEN”

Den Pakt zu wechselseitigem Gebrauch
Von den Vermögen und Geschlechtsorganen
Den der die Ehe nennt, nun einzumahnen
Erschent mir dringend und berechtigt auch.

Ich höre, einige Partner sind da säumig.
Sie haben - und ich halt's nicht für gelogen -
Geschlechtsorgane kürzlich hinterzogen:
Das Netz hat Maschen und sie sind geräumig.

Da bleibt nur: die Gerichte anzugehn
Und die Organe in Beschlag zu nehmen.
Vielleicht wird sich der Partner dann bequemen

Sich den Kontrakt genauer anzusehn.
Wenn er sich nicht bequemt - ich fürchte es sehr -
Muß eben der Gerichtsvollzieher her.

4.11.13

ROSE AUSLÄNDER: PRAG




ROSE AUSLÄNDER (1901-1988)


PRAG

Immer träume ich nach Prag
immer kam etwas dazwischen
Zeitnot Krankheit Krieg

Kafka stand
vor dem Hradschin
verirrter Himmelsbote

Ich schwöre
beim heiligen Franz
ich kann die Mauern
nicht durchbrechen
die Zauberkünste schlafen

Dort träumen Dichter
ihre Wunder
Gut mit ihnen
Kirschen essen

Trauert Prag
um meinen Traum?
Mein Traum
trauert um Prag

3.11.13

PAUL WÜHR: WO






PAUL WÜHR (1927)


WO

sag mir höre ich auf in Hinsicht
auf dich das Andere

zu sein bis zu dir bin ich
gegenüberin dir

bin ich ganz Mann als eine
ganze Frau stell

dir vor uns hat noch nichts
geschieden von einem

Ende zum anderen Ende werden
wir immer das Andere

werden von dem wir das Eine
gar nicht sein müssen

ich sagt sie mit mir anfange
würdest du

nicht etwa aufhören der Mann
zu sein wenn

du enden könntest in mir
immer mit

dir zusammen bist du am
Ende von dir

was ich von Anfang an bin

15.10.13

ERICH FRIED: WAS ES IST



ERICH FRIED


WAS ES IST

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe



14.10.13

SARAH KIRSCH: SCHWARZE BOHNEN




SARAH KIRSCH


SCHWARZE BOHNEN

Nachmittags nehme ich ein Buch in die Hand
Nachmittags lege ich ein Buch aus der Hand
Nachmittags fällt mir ein es gibt Krieg
Nachmittags vergesse ich jedweden Krieg
Nachmittags mahle ich Kaffee
Nachmittags setze ich den zermahlenen Kaffee
Rückwärts zusammen schöne
Schwarze Bohnen
Nachmittags ziehe ich mich aus mich an
Erst schminke dann wasche ich mich
Singe bin stumm

28.9.13

HANS MAGNUS ENZENSBERGER: KOPFKISSENGEDICHT




HANS MAGNUS ENZENSBERGER


KOPFKISSENGEDICHT

Dafür, dass du bis in die Fingerspitzen
anwesend bist, dass es dich verlangt,
dafür, wie du die Knie biegst
und mir dein Haar zeigst,
für deine Temperatur
und deine Dunkelheit;
für deine Nebensätze,

das geringe Gewicht der Ellenbogen
und die materielle Seele,
die in der kleinen Mulde
über dem Schlüsselbein schimmert;
dafür, dass du gegangen
und gekommen bist, und für alles,
was ich nicht von dir weiss,
sind meine einsilbigen Silben
zuwenig, oder zuviel.

26.9.13

BERTOLT BRECHT: DIE LIEBENDEN




BERTOLT BRECHT


DIE LIEBENDEN

Seht jene Kraniche in großem Bogen!
Die Wolken, welche ihnen beigegeben
Zogen mit ihnen schon als sie entflogen
Aus einem Leben in ein anderes Leben.
In gleicher Höhe und mit gleicher Eile
Scheinen sie alle beide nur daneben.
Daß so der Kranich mit der Wolke teile
Den schönen Himmel, den sie kurz befliegen
Daß also keines länger hier verweile
Und keines anderes sehe als das Wiegen
Des andern in dem Wind, den beide spüren
Die jetzt im Fluge beieinander liegen:
So mag der Wind sie in das Nichts entführen.
Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben
So lange kann sie beide nichts berühren
So lange kann man sie von jedem Ort vertreiben
Wo Regen drohen oder Schüsse schallen.
So unter Sonn und Monds verschiedenen Scheiben
Fliegen sie hin, einander ganz verfallen.
Wohin ihr? - Nirgend hin. Von wem davon? - Von allen.
Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen?
Seit kurzem. - Und wann werden sie sich trennen? - Bald.
So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.

6.9.13

RAINER MARIA RILKE: DIE EINSAMKEIT




RAINER MARIA RILKE


DIE EINSAMKEIT

Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.

Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen...

2.9.13

NELLY SACHS: WER ABER LEERTE DEN SAND AUS EUREN SCHUHEN





NELLY SACHS


WER ABER LEERTE DEN SAND AUS EUREN SCHUHEN

Wer aber leerte den Sand aus euren Schuhen,
Als ihr zum Sterben aufstehen mußtet?
Den Sand, den Israel heimholte,
Seinen Wandersand?
Brennenden Sinaisand,
Mit den Kehlen von Nachtigallen vermischt,
Mit den Flügeln des Schmetterlings vermischt,
Mit dem Sehnsuchtsstaub der Schlangen vermischt,
Mit allem was abfiel von der Weisheit Salomos vermischt,
Mit dem Bitteren aus des Wermuts Geheimnis vermischt −

O ihr Finger,
Die ihr den Sand aus Totenschuhen leertet,
Morgen schon werdet ihr Staub sein
In den Schuhen Kommender!

1.9.13

RAINER MARIA RILKE: DER ABEND KOMMT VON WEIT GEGANGEN




RAINER MARIA RILKE


DER ABEND KOMMT VON WEIT GEGANGEN

Der Abend kommt von weit gegangen
durch den verschneiten, leisen Tann.
Dann preßt er seine Winterwangen
an alle Fenster lauschend an.

Und stille wird ein jedes Haus;
die Alten in den Sesseln sinnen,
die Mütter sind wie Königinnen,
die Kinder wollen nicht beginnen
mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen
nicht mehr. Der Abend horcht nach innen,
und innen horchen sie hinaus.