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3.3.11

HEINRICH SEIDEL: DAS SONETT


HEINRICH SEIDEL (1842-1906) DAS SONETT

So recht geeignet ist für spitz verzwickte
Verschnörkelte Ideen die verzwackte
Sonettenform, und für modern befrackte
Gedanken eine wunderbar geschickte.

Und wer von Weisheit nur ein Körnlein pickte
Und von Ide’n nur ein Ideelein packte,
Der zwängt es gerne in die höchst vertrackte
Sonettenhaut, die viel und oft geflickte.

Die Freude dann, wenn ihm das Glück dann glückte
Und schwitzend er sein Nichts zusammenstückte,
Darob er manche Stunde mühsam hockte!

Doch hilft’s ihm nimmer, dass er drückt’ und druckte,
Weil gähnend ob dem künstlichen Produkte
Die Menschheit ruhig einschläft, die verstockte.

3.12.10

HEINRICH SEIDEL: AN MEINE KÖNIGIN


HEINRICH SEIDEL (1842-1906)


AN MEINE KÖNIGIN


Ich flocht dir eine Krone
Von Lindenlaub in's Haar,
Und du auf grünem Throne
Regiertest wunderbar.

Es war dein lieblich Scepter
Ein lichter Blüthenzweig -
Es kniete dir zu Füßen
Dein Unterthan im Reich.

Wie dien' ich dir so gerne -
Wie milde ist dein Sinn -
Wie lieblich ist dein Herrschen,
Du holde Königin.