28.2.19

NOVALIS: BADELIED



NOVALIS


BADELIED

Auf Freunde herunter das heiße Gewand
Und tauchet in kühlende Flut
Die Glieder, die matt von der Sonne gebrannt,
Und holet von neuem euch Mut.

Die Hitze erschlaffet, macht träge uns nur,
Nicht munter und tätig und frisch,
Doch Leben gibt uns und der ganzen Natur
Die Quelle im kühlen Gebüsch.

Vielleicht daß sich hier auch ein Mädchen gekühlt
Mit rosichten Wangen und Mund,
Am niedlichen Leibe dies Wellchen gespielt,
Am Busen so weiß und so rund.

Und welches Entzücken! dies Wellchen bespült
Auch meine entkleidete Brust.
O! wahrlich, wer diesen Gedanken nur fühlt,
Hat süße entzückende Lust.

13.2.19

PAUL BOLDT: AUF DER TERRASSE DES CAFE JOSTY


PAUL BOLDT


AUF DER TERRASSE DES CAFE JOSTY

Der Potsdamer Platz in ewigem Gebrüll
Vergletschert alle hallenden Lawinen
Der Straßentakte: Trams auf Eisenschienen
Automobile und den Menschenmüll.

Die Menschen rinnen über den Asphalt,
Ameisenemsig, wie Eidechsen flink.
Stirne und Hände, von Gedanken blink,
schwimmen wie Sonnenlicht durch dunklen Wald.

Nachtregen hüllt den Platz in eine Höhle,
Wo Fledermäuse, weiß, mit Flügeln schlagen
Und lila Quallen liegen - bunte Öle;

Die mehren sich, zerschnitten von den Wagen.-
Aufspritzt Berlin, des Tages glitzernd Nest,
Vom Rauch der Nacht wie Eiter einer Pest.

6.2.19

WALTER HELMUT FRITZ: DIESE LIBELLE



WALTER HELMUT FRITZ


DIESE LIBELLE

im leichten Flug
über der Lichtung,
pfeilschnell wechselnd
zur Höhe, zur Tiefe
am Rande des Weihers

mit durchsichtigen Flügeln,
mit schlanken Leib
zitternd und schwirrend,
sich öffnend der Frühe,
der wachsenden Sonne

diese Libelle
bist du heute gewesen.
Ich träumte, ich sah dich,
eine Feder, einen Schimmer,
eine Flamme, ein Geschenk.